Teure Dispokredite: Nur vier Banken geben Leitzinssenkung an Kunden weiter

Noch nie war der Leitzins in der Euro-Zone so niedrig - doch Bankkunden mit überzogenem Konto bemerken davon wenig: Nur vier Banken haben laut "Bild" ihre Dispo-Kredite seit der Zinssenkung durch die EZB verbilligt. Zwei weitere Institute wollen nachziehen.

 

Berlin - Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt bei der Bekämpfung der Rezession in der Euro-Zone auf die Politik des billigen Geldes. Allerdings profitieren deutsche Bankkunden mit überzogenem Konto kaum davon: Auch rund drei Wochen nach der Leitzinssenkung der EZB auf ein historisches Tief haben die meisten Banken ihre Dispo-Zinsen der "Bild"-Zeitung zufolge nicht herabgesetzt.

 

Demnach ergab eine Befragung der Institute, dass bisher nur vier Banken die Dispo-Kredite verbilligt haben: die Deutsche Bank , die Norisbank, die Berliner Bank und die Comdirect Bank .Die Santander Consumer Bank sowie ihre Tochter Santander Bank wollten am 1. Juli folgen.

 

Die restlichen Institute planen laut Bericht vorerst keine Anpassung: Sie hätten ihre Dispo-Zinsen nicht direkt an die EZB gekoppelt und sähen daher keinen Grund für eine Senkung. Im Durchschnitt liegt der Zins dem Bericht zufolge derzeit bei 10,51 Prozent - ein um das 20-fache höheres Niveau als der Leitzins in der Euro-Zone. Den hatte die EZB Anfang Mai im Kampf gegen die Euro-Krise auf nur noch 0,5 Prozent gesenkt.

 

Sparzinsen sinken in der Regel parallel zum Leitzins

 

Zu diesem Satz können sich Geschäftsbanken seitdem bei der Notenbank Geld leihen, etwa um es als Kredite ihren Kunden zur Verfügung zu stellen. Es gibt für sie aber keine Pflicht, niedrigere Zinsen der EZB an Verbraucher und Unternehmen weiterzugeben.

Dispozinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber innerhalb eines vorher mit der Bank vereinbarten Rahmens weiter belastet. Wird dieser Rahmen gesprengt, werden zudem Überziehungszinsen fällig, die in der Regel nochmals deutlich höher liegen.

 

Für viele Bankkunden könnte die Leitzinssenkung der EZB daher ein persönliches Minusgeschäft bedeuten. Denn bei Sparbüchern, Fest- oder Tagesgeldkonten senken die Banken die Zinsen in der Regel durchaus analog zum Leitzins. Sparer bekommen daher noch weniger Rendite, in den meisten Fällen liegt sie derzeit gar unter der Inflationsrate. Für ihre Überziehungen im vereinbarten Rahmen werden sie jedoch genau so stark zur Kasse gebeten wie zuvor.

 

(Quelle: Spiegel.de)